Entmagnetisierung

Baustahl – Bewehrungsstäbe, die das Erdmagnetfeld verzerren

Wie Baustahl das Erdmagnetfeld verzerrt

Das Erdmagnetfeld umgibt uns überall. Viele Tiere – etwa Zugvögel und Meeresschildkröten – nutzen es sogar zur Orientierung. Je nach Breitengrad und Untergrund liegt es zwischen etwa 30 und 60 µT (Mikrotesla), in München bei rund 48 µT. In der freien Natur ist es gleichmäßig – in Gebäuden oft nicht.

Der Grund ist Baustahl: Bewehrungsmatten, Armierungen und Stahlträger in Decken, Wänden und Bodenplatten. Bei Herstellung, Transport und Einbau wird der Stahl magnetisiert und wirkt danach wie ein schwacher Dauermagnet. Die Folge: Auf kurzer Strecke schwankt das Magnetfeld im Raum teils um mehrere Mikrotesla, und eine Kompassnadel zeigt nicht mehr zuverlässig nach Norden. Diese Abweichungen sind messbar – und lassen sich gezielt reduzieren.

Schematische Darstellung des Erdmagnetfeldes mit Feldlinien

Warum sich Bauherren für eine Entmagnetisierung entscheiden

Ob und wie sich örtliche Verzerrungen des Erdmagnetfelds auf den Menschen auswirken, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Gesetzliche Grenzwerte für solche Abweichungen gibt es nicht.

Die Baubiologie bewertet sie dennoch als vermeidbare Einflussgröße – besonders am Schlafplatz, wo wir rund ein Drittel unseres Lebens verbringen. Der baubiologische Standard SBM-2015 stuft Abweichungen unter 1 µT als unauffällig ein, ab 5 µT als stark und über 20 µT als extrem auffällig. Viele unserer Kunden entscheiden sich deshalb aus Vorsorge für eine Entmagnetisierung – so wie man beim Bauen auch auf schadstoffarme Materialien achtet.

So funktioniert unsere Entmagnetisierung

Wir haben das Verfahren selbst entwickelt und führen es auch selbst aus. Der entscheidende Unterschied: Wir entmagnetisieren nicht den Stahl vor dem Einbau, sondern die fertig verbauten Bauteile. Denn auch werkseitig entmagnetisierter Baustahl kann bei Transport und Einbau erneut magnetisiert werden.

Zuerst ermitteln wir mit einer 3D-Magnetfeldmessung, wie stark das Feld im Gebäude vom natürlichen Erdmagnetfeld abweicht. Anschließend entmagnetisieren wir die Bausubstanz gezielt Stück für Stück – unter laufender Messung, sodass wir das Ergebnis sofort kontrollieren. Das funktioniert im Rohbau ebenso wie in bewohnten Gebäuden und kommt ohne Eingriff in Böden, Wände oder Einrichtung aus. Die erreichte Entmagnetisierung bleibt dauerhaft erhalten.

Messbeispiel: vor und nach der Entmagnetisierung

3D-Magnetfeldmessung vor der Entmagnetisierung

Vor einer Entmagnetisierung

Die Messung zeigt starke Unterschiede der Feldstärke auf kurzer Distanz. Sie entstehen durch magnetisierten Baustahl im Gebäude, der das Erdmagnetfeld im Raum verzerrt.

Grundriss mit Magnetfeldverzerrungen vor der Entmagnetisierung
3D-Magnetfeldmessung nach der Entmagnetisierung

Nach einer Entmagnetisierung

Nach der Entmagnetisierung ist das Magnetfeld im selben Raum deutlich gleichmäßiger und liegt nahe am natürlichen Erdmagnetfeld. Die Verzerrungen durch den Baustahl sind weitgehend beseitigt.

Grundriss mit homogenem Magnetfeld nach der Entmagnetisierung